Samstag, 25. Oktober 2008

big brother awards 2008


Heute wurden vom FoeBud zum 9. mal die Big Brother Awards verliehen.
Es handelt sich dabei um einen Datenschutz-Negativpreis, mit dem die eifrigsten und auffälligsten "Datenkraken"
des Jahres 2008 von einer
breitgefächerten Jury ausgezeichnet werden.

die diesjährigen Preisträger sind:

  • Kategorie EU /Europa
Rat der Europäischen Union (EU-Ministerrat) in Brüssel
vertreten durch Ratspräsident Bernard Kouchner/Generalsekretär Javier Solana
für die von ihm verantwortete EU-Terrorliste, auf der verschiedene Organisationen und Personen als "terroristisch" eingestuft und weitgreifenden Sanktionen unterworfen werden

  • Kategorie Gesundheit und Soziales

Deutsche Angestellten-Krankenkasse, DAK
vertreten durch ihren Vorstandsvorsitzenden Herrn Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher
für die Weitergabe von 200000 Patientendaten an eine Privatfirma ohne die Zustimmung der Versicherten

  • Kategorie Verbraucher I
Mitglieder des 16. Deutschen Bundestages
vertreten durch Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages
für das Erlassen verschiedener Gesetze, die eine detaillierte Dokumentation und Speicherung der Wege und Daten reisender Personen sicherstellen sollen

  • Kategorie Arbeitswelt und Kommunikation
Deutsche Telekom AG
für die illegale Nutzung von Telefonverbindungsdaten zur Bespitzelung von Telekom-Aufsichtsräten und Journalisten.

  • Kategorie Technik
die Yello Strom GmbH
vertreten durch ihren Geschäftsführer Martin Vesper
für die Vorreiterrolle bei der Einführung der Digitalstrom-Technik für Privatkunden, ohne jegliche Information zum Datenschutz der Kunden

  • Kategorie Politik
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
vertreten durch Minister Michael Glos
für die Verabschiedung des Gesetzes zum ELENA-Verfahren und damit einhergehender Zwangseinführung elektronischer Signatur

  • Kategorie Verbraucher II
Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V. (ADM)
vertreten durch seinen Vorsitzenden, Herrn Hartmut Scheffler
für die Empfehlung in einer Telefon-Richtlinie, Telefoninterviews bei Bedarf ohne Kenntnis der Gesprächspartner heimlich mitzuhören

die obenstehenden Daten sind von den webseiten der Big Brother awards entnommen und könnten einen möglichen Ansatzpunkt für kommende Sousveillance-Aktionen bieten
Bild der "Datenkraken"-Trophäe aus: http://www.bigbrotherawards.de/images/bba-statue-004

Freitag, 24. Oktober 2008

Feedback

Vor 10 Minuten habe ich folgende emails verschickt:

An: webmaster@uni-frankfurt.de
Betreff: Google Analytics Einsatz auf der Uni Website

"Sehr geehrte Verantwortliche,

als aufmerksamer Student und Benutzer ihrer Website ist es mir nicht entgangen, dass auf der Startseite der Universität Google Analytics eingebunden ist.
Zwar verweisen sie auf §5 des Telemediengesetzes, aber mit Verweis auf §13 bitte ich sie explizit kenntlich zu machen, dass sie Google Analytics verwenden und welche Daten infolge dieser Verwendung gespeichert werden, da sich diese nicht mit denen von ihnen gemachten Angaben zu gespeicherten Daten decken.
Im Sinne vertrauensvoller Zusammenarbeit von Universität und Studierenden möchte ich sie eindringlich bitten den Einsatz von Google Analytics ausreichen kenntlich zu machen.

Vielen Dank für ihr Verständnis
Bernhard Karakoulakis"

und

An: info@fdp-frankfurt.de
Betreff: Google Analytics auf der Website des Kreisverbands Frankfurt

"Sehr geehrte Verantwortliche,

im Sinne einer aufgeklärten Internetkultur und eines mündigen Bürgers, der zufällig über ihre Seite gestolpert ist, möchte ich sie bitten, die Überwachung durch Google Analytics auf ihrer Website im Impressum oder in den Bemerkungen zu Datenschutz zu erwähnen.
Als Webseiten Betreiber ist es ihre Pflicht den Nutzer auf Überwachung aufmerksam zu machen, denn wie sie bestimmt selbst wissen liegt der Einsatz von Google Analytics nach dem deutschen Telemediengesetz allenfalls in einer Grauzone. Die Tatsache, dass sie eine Partei sind, also nach öffentlichem Auftrag strebt halten wir es für höchst frag- und massiv unglaubwürdig, wie sie ihre potentiellen Wähler ohne deren Wissen ausspionieren. Bitte ändern sie diesen Umstand auf ihrer Website umgehend. Wir haben ihren und andere ähnliche Fälle bereits unter Datenschützern im Rhein Main Gebiet publik gemacht, und warten, mit Blick auf die Uhr auf eine schnelle Lösung des Problems,

mit freundlichen Grüßen,
scanagain Frankfurt "


Fußballstadion als Panopticon

Die Idee des Panopticons wird oft mit Gefängnissen in Zusammenhang gebracht; in seinem Buch "The Sociology of Sports" wendet es der Autor des Buches, Richard Giulianotti, auf das Fußballstadion und andere Sportstätten an.
Als regelmäßiger Besucher des Stadions in Frankfurt weist die Verknüpfung des Panopticons mit dem Fußballstadion durchaus fruchtbare Elemente auf. In der Mitte der so genannten "Commerzbank Arena" befindet sich ein großer Videowürfel, der u.a. die Spielstände, Aufstellungen anzeigt und unter dem sich Überwachungskameras befinden. Ab und an werden auf der Videotafel Fans eingeblendet, die fast jedesmal erfreut sind,wenn sie für alle Zuschauer sichtbar auf dem Videowürfel eingeblendet werden. Ich habe mich gefragt, wie ich reagieren würde, aber die Tatsache, dass man nicht die Kontrolle hat, dass man die Kamera nicht steuern kann, ist ein ungutes Gefühl. Ich bin nur als Zuschauer im Stadion möchte ich der Überwachungskamera sagen. Meist ist es jedoch so, dass vor allem junge Frauen oder Prominenz auf dem Videowürfel eingeblendet werden. Der panoptische Blick hat also mehrere Funktionen und ist mit diversen Interessen verknüpft. Der Blickfang attraktiver Frauen oder anderer Personen dient der Unterhaltung, und das Wissen um die Omnipräsenz dieser Kameras soll wohl Gewalt vorbeugen.
Ich werde fortan öfter auf den Videowürfel gucken und bewusst nach Kameras im Stadion suchen, nicht, weil ich sie entfernen kann, sondern ich bilde mir ein, den kameras sagen zu können. "macht euch noch so unsichtbar, ich sehe auch euch, ich weiss, dass ihr existiert".

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Contemporary Closed Circuits

Einladung zur Ausstellung “Contemporary Closed Circuits – Subversive Dialoge“ von Raul Gschrey

Vom 4.11. – 8. 11. werden in der Ausstellungshalle der Goethe-Universität Frankfurt künstlerische Arbeiten zum Thema Überwachung gezeigt. Die Videoinstallationen, Fotografien, Plastiken und Aktionen eröffnen Dialoge in den geschlossenen Kreislauf des Closed Circuits Videobilds und erproben subversive Strategien im Umgang mit visueller Überwachung.

Eine herzliche Einladung zur Eröffnung am Dienstag um 19.00, den Abschluss bildet eine Finissage mit Konzert am Samstag um 20.00 mit ayefore, voyage ecoute akustik & guests.

4.11.- 8.11. Ausstellungshalle der Goethe-Universität
Sophienstrasse 1-3, Frankfurt, Bockenheim
Fabrikgebäude hinter der Universitätsbibliothek

Di. 19.00 Eröffnung
Sa. 20.00 Finissage, Live: ayefore, the water safety & voyage ecoute

Weitere Infos zu einzelnen Arbeiten und Texte zu Kunst und Überwachung auf:
www.gschrey.org


Der Titel der Ausstellung “Contemporary Closed Circuits – Subversive Dialoge“ lehnt sich an die im anglophonen Sprachraum weit verbreitete Begrifflichkeit CCTV, closed circuit television an, die genutzt wird um visuelle Überwachung zu beschreiben. Damit siedeln sich die künstlerischen Arbeiten im Kontext der Überwachung an, einem Phänomen, dem in der zeitgenössischen gesellschaftlichen Diskussion, aber auch in der zeitgenössischen Kunst eine erhöhte Aufmerksamkeit zukommt.

Durch die Weiterentwicklung der Techniken von Datenerfassung und Datenübertragung, durch die fortschreitende Miniaturisierung und die sich ausweitende Verbreitung immer kostengünstiger Geräte werden bisher ungeahnte Möglichkeiten der Überwachung möglich. Diese technischen Entwicklungen treffen auf ein Klima der politischen und sozialen Unsicherheit, die nicht zuletzt an der sich verändernden Sicherheitslage nach den Anschlägen des 11. September festzumachen ist. In Folge dieser Entwicklung wurden in Nordamerika und Europa die Möglichkeiten staatlicher Überwachung ausgeweitet und greifen zum Teil stark in die Persönlichkeitsrechte und Grundrechte der Bürger ein. Die fortschreitende Überwachung ist allerdings nicht nur staatlicher Natur, zunehmend dringen kommerzielle Interessen in die Privatsphäre der Menschen ein.

Mit der eingehenden Beschäftigung mit dem Thema Überwachung und dem Wissen über den Umfang und die Möglichkeiten moderner Überwachungstechnologien, die sich auch in Deutschland noch weiter ausbreiten werden, wuchs das Verlangen aufklärend zu wirken. Gleichzeitig werden aber auch Möglichkeiten der Diskreditierung der Technologien und Strategien der Minderung ihrer Wirkung erprobt. Diese Suche nach subversiven Strategien, ebenso wie die Technik des Closed Circuit, ziehen sich, als Konstanten durch die gezeigten Arbeiten.

Ich würde mich freuen euch auf der Ausstellung begrüssen zu können um interessante Gespräche und Diskussionen zum Thema zu führen und nicht zu letzt um gute musik zu geniessen und Spass zu haben...

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Google Analytics - seziert

Auf den Beitrag von tao tao hin "Was haben eigentlich die Frankfurter FDP, die Goethe Uni und Eintracht Frankfurt gemeinsam?" habe ich Google Analytics im Blog installiert, und werde wöchentlich Auswertungsberichte posten um die Struktur dieses Webanalysetools hier exemplarisch offenzulegen.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Was haben die Frankfurter FPD, die Goethe Uni und Eintracht Frankfurt gemeinsam?

Zumindest aus datenschutzrechtlicher Perspektive mehr als man denken mag. Auf den Internetauftritten aller drei Organisationen wird man als Besucher mit Hilfe von Google Analytics beobachtet. Eigentlich nichts Ungewöhnliches:
Der Berliner Datenschutz-Beauftragte Alexander Bix kritisiert bereits seit längerem den Einsatz des Google Tools auf diversen Webseiten, was man in einem Artikel des online Portals der Wirtschaftswoche, der letzte Woche veröffentlicht wurde sehr ausführlich nachlesen kann.

Erwähnenswert finde ich im Zusammenhang aber nicht nur die Tatsache, dass Google Analytics auf verschiedenen, im Frankfurter Raum stark frequentierten Seiten eingesetzt wird, sondern inwieweit dies völlig geheim (oder für mich nicht nachvollziehbar publik) geschieht.

Während die gute alte Eintracht auf ihrer Impressum-Seite klar und deutlich auf den Sachverhalt aufmerksam macht, halten es die Frankfurter FDP und die Goethe Universität nicht für nötig in ihren Informationen zum Datenschutz auch nur ein Wort zu verlieren. Sehr beschämdend, für Organisationen mit einem öffentlichen Auftrag.

Im Anhang eine Liste mit einer Auswahl weiterer beliebter Seiten des Raums Frankfurt, die Google Analytics benutzen:

Frankfurter Allgemeine Zeitung (sagt dem Nutzer nichts davon)
Börse Frankfurt (sagt dem Nutzer bescheid)
Johann Wolfgang Goethe Universität (sagt dem Nutzer nichts davon)
FDP Frankfurt (sagt dem Nutzer nichts davon)
Eintracht Frankfurt (sagt dem Nutzer bescheid)
Planet Radio (sagt dem Nutzer bescheid)
Europäische Zentralbank (sagt dem Nutzer nichts davon)

Mit Verweis auf Interpretatione des Telemedien Gesetzes bleibt die Benutzung von Webanalyse Tools auf der Internetseite so lange illegal, wie der Betreiber nicht darauf aufmerksam macht.

Wer Google Analytics selbst auf Webseiten aufspüren möchte:
Einfach den Seitenquelltext betrachten und nach den Begriffen "Google" und/oder "Analytics" suche. Wenn die Seite das Tool benutzt, dann findet ihr diese Begriffe in einem java script eingebunden.

Montag, 20. Oktober 2008

RFID - identifiziert

Nachfolgend findet ihr einige Hinweise zu RFID (Radio Frequency Identification):

Die webseiten des FoeBuD e.V. bieten eine umfangreiche Textsammlung zur Thematik und informieren kritisch motiviert über die Grundproblematiken im Zusammenhang mit dem Einsatz von RFID und zeigen Wege auf, wie man sich demgegenüber verhalten kann. Dort können auch Gadgets zum Auspüren von RFID-Sensoren gekauft werden - wer löten kann, dem sei die vom c't-Magazin herausgegebene Bauanleitung für einen RFID-Tag-Finder empfohlen.


Eine weitere Möglichkeit - mit der ich mich bisher noch nicht ausreichend befasst habe - ist das Auslesen von Meta-Informationen aus RFID-Tags mit Hilfe eines RFID ISO-Readers . Solbald ich näheres dazu weiß, folgen hier weitere Infos.

quelle bild: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/6/6f/Transponder2.jpg

Sonntag, 19. Oktober 2008

where do all the pictures go?

Für alle, die sich schon mal gefragt haben, was eigentlich mit den Aufnahmen passiert, die die Überwachungskameras in Frankfurter U-Bahnhöfen, Bussen und Straßenbahnen machen, hier die Infos, die ich auf der VGF Homepage nach langer Recherche dazu gefunden habe, nachdem ich an den betreffenden Bahnhöfen und in den Bussen nichts erfahren konnte:

"Zur Rekonstruktion von Vorfällen oder zur Beweissicherung werden die Bilder kontinuierlich aufgezeichnet, nach 48 Stunden ohne Vorfall überspielt das System aber automatisch die nicht genutzten Aufnahmen, die mithin nicht archiviert werden. Sollten in dieser Zeit Straftaten festgehalten werden, wird die Ermittlungsgruppe des VGF-Ordnungsdienstes die Bilder auswerten und gegebenenfalls Polizei und Staatsanwaltschaft übergeben. Dieses Prozedere ist mit den Datenschutzbeauftragten der Stadtwerke Holding und des Landes Hessen abgestimmt, so daß die einschlägigen Bestimmungen des Hessischen Datenschutzgesetzes eingehalten werden."


In diesen Stationen und Linien befinden sich nach Angaben des VGF Berichts bereits Überwachungskameras:

- elf Straßenbahnen des Typs "S", die übrigen 54 dieser Serie sind vorgerichtet
- 37 Busse des Solaris-Typs "Urbino 12", ausgeliefert im Dezember 2007
- 29 von Mai 2008 an auszuliefernde U-Bahnen des Typs "U5", die übrigen 117 Fahrzeuge der Serie sind wie die "S"-Wagen durch den Hersteller Bombardier vorgerüstet
- seit Mai 2006 sieben innerstädtische U-Bahn-Stationen:

Hauptwache, Konstablerwache, Willy-Brandt-Platz, Südbahnhof, Schweizer Platz, Hauptbahnhof, Dom/Römer



In mittel- und unmittelbarer Zukunft geplante Kameras
:

- die 2. Stufe des Projekts "Sicherheit & Service" mit 19 unterirdischen U-Bahn-Stationen im Jahr 2008
- die 3. Stufe des Projekts "Sicherheit & Service" mit rund 40 oberirdischen Stationen und Haltestellen im VGF-Netz sei in Vorplanung
- Bereits dieses Jahr sollen die übrigen 19 unterirdischen Anlagen im Frankfurter Netz ausgestattet werden, vorgesehen ist laut VGF die Montage weiterer 78 Säulen, 89 Dome- und 99 festen Kameras.

Weitere Infos zum Thema, zu der sagenhaft kleinen Zahl von 16 erfassten Drogendealern in drei Monaten und einer fehlenden Definition einer wichtigen statistischen Größe der Daten der VGF, der herumlungernde Person gibt es hier

Aus diesem Artikel stammen alle hier aufgeführten Daten:
http://www.vgf-ffm.de/vgf/5708.jsp
Fotos:
selbst geschossen in der U-Bahn Station Südbahnhof und in der Straßenbahnlinie16